Selbstliebe – wann ist es so weit?

Morgenroutine

Heute morgen stand ich vorm nicht geputzten Badezimmerspiegelschrank und blickte in meine grau-grünen Augen. Soeben hatte ich mein Gesicht wie jeden Morgen gereinigt, da dies seit kurzem zu meiner täglichen Routine gehörte. Diese wurde mir von einer sehr netten Kosmetikerin, bei der ich meine allererste professionelle Gesichtreinigung überhaupt machen ließ, dringend ans Herz gelegt. Die Haut sei viel zu trocken, schuppig und außerdem ist das Alter ohne Cleansing foam und Face Tonic leider längst passé, gilt zumindest für alle über 30. Mit gar 31 Jahren erst so ein Routine zu beginnen, ist wohl ziemlich kühn und ich dürfte als Exot unter den Frauen in meinem Umfeld gelten. Mir reichte bisher eine Gesichtscreme. Das war’s. Da ich aber meine Haut liebe und auch meine Schwester mir bestätigte, dass eine Morgen- und Abendroutine das Um-und-Auf für gesunde Haut ist, gehöre ich nun wohl zur breiten Masse, die in den Drogeriemarkt jedes Monat Nachschub für ihr Gesicht holen.

Das Ping-Pong-Spiel

Ich schaut also auf meiner gereinigte Haut. Und auf meine stark gerötete Nase. Rudolph the Rednose Rendier „Hallo!! Ja eine starke Verkühlung hatte nun auch mich nieder geschlagen. Langsam war ich zwar am Weg der Besserung. Doch dieses Trauerspiel, dass wohl jede/r Kinderkrippen-Mama-und-Papa kennt, zog bereits seit der Eingewöhnung und schon davor sein Liedchen ab. Das ging sicherlich seit einigen Wochen, wenn nicht sogar Monaten schon, wie ein Ping-Pong-Spiel hin und her. Zuerst hatte unser Lausi eine Verkühlung, dann hatte mein Mann diese. Kind war wieder gesund, stattdessen muss der Mann gepflegt werden. Armer Mann. Dann wieder Kind, dann Mann, dann Kind, dann kurz Mama keine Stimme mehr, dann wieder Papa usw. In der Statistik hatte ich also bravourös unterschlagen, dass Mamas eigentlich schon krank werden, nur irgendwie dürfen’s sie es nicht. Sie halten es zurück. Kind hat halt immer Vorrang und so ein doofer Schnupfen hält uns ja nicht auf. Blöd ist es nur, wenn zum Schnupfen starkes, nicht aushaltbares Halsweh, Kopfweh, belegte Ohren, Fieber bis 39 Grad Celsius und Schüttelfrost hinzu kommen. Das lässt sich leider nicht weg thematisieren.

Workingmum und Dalmatiner

Das alles waren sehr unglückliche Zustände, die mich hier tangierten, wo ich doch gerade mal erst einen Monat zurück im Job war. Ja richtig. Workingmum is in da house. Krank. Im Bett. Aber da. So wo waren wir jetzt eigentlich? Ach ja. Ich war krank und hatte Zeit mich im Spiegel zu betrachten. Zeit die ich normalerweise nicht habe. Aber da ich die besten Schwiegereltern der Welt habe und den besten Ehemann der Welt, wurde mir diese Woche mein Lausi abgenommen, damit ich mich vollends erholen konnte. Das heißt das Lausi hatte Qualitytime mit Oma und Opa. Die beiden liebt er über alles und sie lieben ihn. Ich hatte also Zeit um gesund zu werden. Um mein Spiegelbild genauer zu betrachten. Mein Blick schweifte rechts rauf zu meiner rechten Augenbraue. Darüber befindet sich ein weißes, hervorstehendes Muttermal. Etwas das mir seit einiger Zeit immer mehr ins Auge sticht. Mich sogar stört. Mir fällt es erst seit der Gesichtsreinigung so richtig auf.

Überhaupt habe ich nicht wenige Muttermale. Mein Arme sind voll davon. Meine beste Freundin nennt mich liebevoll Dalmatiner. Und mein Mann hatte mal versucht sie zu zählen, aber es schlußendlich aufgegeben. Außerdem bin ich regelmäßige Patientin in der Hautarztpraxis, zur wichtigen Kontrolle, damit ja nichts übersehen wird. Auch wenn diese Muttermale mich ein Leben lang schon begleiten, so habe ich erst vor einigen Jahren angefangen sie zu akzeptieren. Vorher waren sie mir unangenehm. Lästig. Ich sah nicht normal aus. Keines der Mädchen in den Zeitschriften hatte so viele Muttermale wie ich. Nirgendwo im Fernsehen waren Frauen oder Mädchen mit derartigen Aussehen zu sehen. Ja es gab eine Cindy Crawford, die einen Schönheitsfleck hatte. Ja. Einen. Aber nicht hunderte.

Ich hasse den BMI

Dazu kam, dass ich bereits seit meiner Jugend an Übergewicht leide. Es begann früh. Wenn ich mir jetzt Fotos von früher ansehe, merke ich, dass nicht mein Übergewicht früh begann. Ich hatte zwar etwas Babyspeck, doch nichts was nicht einfach so vergangen wäre. Nein die Worte und Aussprüche von anderen Menschen, die damals mein Selbstbild prägten, hatten mir früh eingeredet ich sei nicht normal. Ich sei dick. Aber ich war es nicht. Zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, als diese Sprüche begannen. Eine Erkenntnis, die mir zeigt, dass andere Menschen dein Selbstbild stark beeinträchtigen können. Durch ihre Worte. Ihre Ablehnung. Ihre Einstellung zu dir.

Ich war in ein Ringelspiel verfrachtet worden, dass nie nach einem Ticket gefragt hatte, und mich einfach nicht mehr aussteigen ließ. Sämtliche Abnehmversuche scheiterten. Der BMI verfolgte mich überall hin. Ich begann Kleidung zu tragen, die meine Stellen, die ich nicht gerne hatte zu verdecken. Dazu zählte wohl oder übel mein ganzer Körper. Meine Arme waren mir peinlich wegen meiner Muttermale und der dicken Oberarme. Ich hatte (und habe noch immer) Cellulite und die Oberschenkel waren dick. Meine Hüften und mein Bauch ebenso. Ich mochte fast nichts an mir. Nur mein Gesicht. Das fand ich schön. Dafür bekam ich Komplimente.

Das Selbstbild von uns wird von anderen geprägt

Eines Tages beim Sportunterricht in der Oberstufe hörte ich eines der Mädchen sagen, das mein Gesicht ja ganz nett wäre. Aber der Rest wäre hässlich. Diese Worte werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen. Sie haben mich so tief verletzt. Ich mochte das Mädchen nicht. Wir waren nicht befreundet und doch hatte sie so eine Macht über mein Selbstbild. Wie sollte ich mich jemals selbst lieben können, wenn es immer wieder solche Menschen gab, die ihre Meinung über mich herausstießen. Die mich und mein Wesen überhaupt nicht kannten. Nicht in mich hineinsehen konnten. Nicht sahen was ich dachte und fühlte und dennoch so überzeugt davon waren, dass ich nicht richtig war. Ich glaubte sehr lange was sie sagten.

Das Ding ist, auch wenn Menschen, die du liebst und die dich lieben, dir immer wieder versichern wie wunderschön du bist und wie einzigartig du bist. Du glaubst leider immer das Schlechte von dir zuerst. Nicht das Beste. Und das ist falsch. Ganz falsch. Genau andersherum müsste es funktionieren. Wir sollten den Menschen, die in unsere Seelen blicken können und uns in-und-auswendig kennen, vertrauen. Und ihnen zuhören, wenn sie sagen wie schön sie jedes einzelne Muttermal finden. Wie sehr sie die Sommersprossen in deinen Gesicht vergöttern. Und wie herzerwärmend sie dein Lächeln finden. Wie toll du als Mensch, Mutter und Frau bist.

Andere lieben ist leichter

Mein Mann kennt mich seit ich sechzehn bin. Er hat all diese Geschichten mit bekommen. Er wurde sehr wütend, als ich ihm erzählte wie andere Menschen über mich reden. Was andere Menschen über mich sagen. Er baute mich jedes Mal auf. Versicherte mir, dass die Eifersucht, Dummheit oder Langeweile aus den Menschen sprach. Dass viele nicht darüber nachdachten, was sie mit ihren Worten anrichten. Einzig und allein zählt, was ich von mir halte. Er liebte und liebt mich wie ich bin. Mit all meinen Fehlern. Und auch wenn ich mal wieder durchdrehe, verrückt spiele und meine schlechten Seiten zum Vorschein kommen. Auch dann liebt er mich. Genauso wie ich bin. Das lustige daran ist. Mir geht es genauso. Ich kenne sämtliche schlechte Seiten meines Mannes. Und auch ich liebe alles an ihm. Ich nehme seine Fehler an, weil ich ihn liebe. Witzig wie einfach das ist. So einfach, dass es doch auch nicht so schwer sein sollte, sich selbst zu lieben.

In Zeiten der #selbstliebe

Dieses Thema wird bei vielen Menschen immer präsenter. Es heißt: liebe dich selbst, dann kannst du auch andere lieben. Doch eigentlich liebt man doch zuerst meist jemand anderen. Anderen kann man Fehler mehr verzeihen als sich selbst. Ich spreche hier explizit von mir. Ich bin immer sehr streng mit mir selbst. Mich selbst zu lieben ist ein harter Weg. Ein Weg der steiniger nicht sein könnte. Steine, die einem von anderen in den Weg gelegt werden. Steine die Worte sind, die nie vergessen werden können. Die Wirkung der Worte kann aber abgeschwächt und umgedreht werden. Ich befinde mich dafür auf einem guten Weg.

Interessant ist auch, dass je mehr Narben dazu gekommen sind, desto besser läuft es sogar. Narben, die mich früher wahrscheinlich zur Verzweiflung gebracht hätten und jetzt liebe ich meinen Körper für das Wunder der Schwangerschaft. Ich und mein Körper durften ein Kind austragen und dieser Welt schenken.

Seit dieser Schwangerschaft fällt es mir viel leichter meinen Körper zu akzeptieren. Und ich dürfte nicht die einzigste sein. Ich kenne einige Frauen, denen es so ergangen ist. Die eigene Sinnhaftigkeit im Leben zu erkennen, ist wie das Augen öffnen nach einem sehr langen und ausgiebigen Schlaf. Ein Schlaf, der Jahre gedauert hat. Ich möchte nicht damit sagen, dass andere Dinge nicht sinnhaftig sind und auch nicht, dass Mütter dies gepachtet haben. Doch dieses Erlebnis einer Geburt, das Großziehen eines Kindes und die Aufgaben die daraus erwachsen, sind unbeschreiblich schön. Natürlich auch hart und nicht jede Frau erlebt eine gute Geburt. Nichts ist für jeden gleich, sondern alles ist für jeden anders. So kann ich nur aus meiner Perspektive berichten.

Meine Perspektive ist nicht geschönt

Warum schreibe ich so persönlich zum Thema Selbstliebe. Ich weiß es nicht genau. Damals als Kind/Jugendliche wusste ich nicht, dass es dieses „sich selbst lieben“ überhaupt gibt. Mir war nur Abneigung gegen mich und meinen Körper bewusst. Ich war eifersüchtig auf andere „normale“ Körper. Ich kannte die Macht der Worte von anderen, die unser Selbstbild formen. Doch was ich jetzt kenne hilft möglicherweise anderen jungen Frauen. Oder auch erwachsenen Frauen. Frauen, die mit sich selbst hadern. In Zeiten wo man nur Bloggerinnen und Influencer wahrnimmt, die vermeintlich perfekt wirken. Mit dem perfekten Freund/Ehemann, dem perfekten Körper, Kind(ern), Haus/Wohnung oder Leben.

Doch das ist alles ein perfekter Schein in Zeiten von Social Media. Lasst euch nicht blenden. Jeder hat Zweifel, Probleme und weiß manches Mal nicht weiter. Nur das wird nicht thematisiert. Thematisiert wird hingegen in Millionen Videos auf Youtube oder Instagram, wie eine Abend- und Morgenroutine fürs Gesicht und die perfekte Haut auszusehen hat. Etwas, das wohl schon zu Genüge durchgekaut wurde. Und doch habe ich erst mit 31 Jahren damit begonnen. Als Trendsetterin kann und will ich mich sicherlich nicht bezeichnen. Als Frau, die das Thema Selbstliebe aber ernst nimmt und tagtäglich versucht, diese umzusetzen, schon.

Meditation als Weg zur Selbstliebe

Wie ich für mich herausgefunden habe, ist Meditation eine große Unterstützung, um Selbstliebe zu erfahren und den eigenen Körper kennen zu lernen. Meditation hat mir bereits vor einigen Jahren geholfen, geduldiger und gelassener zu werden. Aber die letzten Monate hatte ich Meditation vollkommen aus meiner Routine gestrichen. Eher ungewollt als gewollt. Zeitmangel und Stress hatten die Oberhand gewonnen, doch vor einigen Monaten hatte ich mich zum Yoga auf der VHS angemeldet und gemerkt, wie sehr ich die Entspannung vermisst hatte. Zuhause wollte ich diese Entspannung auch etablieren und als ich krank im Bett lag, habe ich auf Youtube die Vloggerin und Yogalehrerin Mady Morrison gefunden. In einer sehr angenehm geführten Meditation hatte sie folgendes Mantra gesagt: „Ich tue genug. Ich habe genug. Ich bin genug.“ Dieses Mantra ist für mich perfekt und ich versuche es in meinen Alltag zu integrieren.

Leg dir ein Mantra zu

Also stand ich vorm Spiegel im Badezimmer. Begutachtete mein weißes Muttermal. Dachte an meine Narben. Meine Cellulite. Meine Oberarme, meine Oberschenkel. Meinen Hintern. Meinen Specki an der Hüfte. Die Hosen, die aus unerfindlichen Gründen (ok ich kenne die Gründe), immer kleiner wurden. Mein Halsweh, dass endlich abklang. Mein Kind, dass heute furchtbar gut gelaunt war. Eine Ausnahme die letzten Tage. Meinen Mann, der alles dafür tat, dass es mir gut ging. Der sich um unseren Umzug (kleiner Teaser! Jaaa wir ziehen endlich um :)) kümmerte, wie ein Superheld. Meine über hundert E-Mails, die auf mich warteten, wenn ich Montag wieder in die Arbeit konnte.

Das alles schoß mir innerhalb von Sekunden durch den Kopf. Sachen, die mich nervös machten, mich nervten, mich freuten oder die ich ignorierte (hallo Hose!). Dann sagte ich es: „Ich tue genug. Ich habe genug. Ich bin genug.“ Und wisst ihr was? Es fühlte sich unglaublich toll an.

1 Kommentar

  1. AffiliateLabz

    15.02.20 bei 23:23

    Great content! Super high-quality! Keep it up! 🙂

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