Seit einiger Zeit kreisen meine Gedanken rund um das Thema “Privatsphäre bei Babys”. Das Thema ist ein sehr heikles und ihm wird meiner Meinung nach nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. In Zeiten von Facebook, Twitter und vor allem Instagram, laufen die Millenial-Mütter und Väter, Generationen Y, X und weiß der Kuckuck was es da noch alles gibt auf Hochtouren, um sich im Internet entweder selbst oder eben schlimmer, ihre Babys zu inszenieren. Angefangen bei irgendwelchen Challenges, wo die meisten nicht mal wissen weshalb sie sich jetzt den Eiskübel Wasser übern Kopf leeren (ja ich weiß die ist uralt aus Sommer 2014!! und meines Wissens auch keine Babies inkludiert) bis hin zu Käse ins Gesichts ihres Babys zu klatschen (brandneu & leider kein Scherz!) ist alles dabei. Und meine Frage lautet einfach nur: warum?!?

Your toes, my butt

Mir ist durchaus bewusst, dass ich mit diesem Beitrag einigen auf die Zehen steige. Eine/r wird sich wohl immer angegriffen fühlen, auch wenn ich es wirklich nicht anklagend oder böse meine. Doch wenn ich nur eine Mama oder einen Papa von der immensen Wichtigkeit der Privatsphäre ihres Kindes überzeuge, bin ich schon ein winzig kleines bisschen zufriedener.

Fotos beim Kaffeeplausch vs. Social Web

Als ich begonnen habe hier auf meinem Blog über mich als Mama zu schreiben, habe ich mir sehr lange überlegt, wie und was ich schreiben möchte. Gar nicht über meinen Sohn zu schreiben, würde für mich bedeuten einen Teil von mir selbst zu verschweigen. Daher schreibe ich wohl über mein Leben, meine Erfahrungen und was mich gerade beschäftigt, wozu natürlich auch mein Kind zählt. Doch ich spreche hier und heute nicht davon, dass die Geschichten über unsere Lieblinge fehl am Platz sind, sondern von den Fotos der lieben kleinen Zwerge. Die öffentlichen Fotos, die jede Person sehen kann

Auch ich liebe es Fotos von meinem Sohn zu machen, doch diese mit der ganzen Welt teilen? Ich denke dabei an die paar Fotoalben von mir als Kind. Meine Eltern haben zwar einige Fotos gemacht und diese auch sicher ab und zu beim Kaffeeplausch der Verwandtschaft oder ihren Freunden gezeigt. Doch das war ganz sicher nicht in dem überbordenden Ausmaß, wie es teilweise heutzutage vorkommt. Sodass beispielsweise irgendein Typ in Pennsylvania oder eine Mama aus Köln oder vielleicht sogar ein Yogi in Bali diese Bilder sehen können und sogar kommentieren. Nein. Ganz. Sicher. Nicht. Und genau das passiert aber. Tagtäglich. Und den Eltern die ihre Babys in den Sozialen Netzwerken zeigen, ist dieser Fakt manchmal gar nicht bewusst. Manche nehmen es sogar bewusst in Kauf. Für Likes. Für Promotion Samples. Für Geld.

Alles für ein Like

Tausende von Followern wollen es. Sie wollen die Babys sehen. Wie süß sie drein schauen. Wie süß sie rülpsen. Wie süß ihre Stupsnäschen sind. Wie süß ihr Kichern ist. Und ja daran ist doch gar nichts verwerflich meinen manche. Denn sie kennen es vielleicht auch gar nicht anders. Sie sehen nur, dass was die anderen wollen und vergessen, was gut für ihr Kind ist. Sie glauben an das Gute im Menschen und vergessen, dass es viele Menschen gibt, die andere Absichten hegen. Die Sachen denken, an die wir im Traum nie denken würden.

Ganz ehrlich. Ich will hier nicht schwarz malen. Meine Intention ist es aufzuklären und aufzuzeigen, dass nicht alles ein rosa Glitzerpups mit Einhornstreuseln ist. Das Internet, wie wir wissen vergisst nicht! Es merkt sich jedes Bild von uns. Jedes noch so verdammtes peinliches, oder unpeinliches Bild. Selbst gelöscht besteht die Möglichkeit, dass irgendjemand das Bild abgespeichert hat und auf einer anderen Plattform verbreitet. Ohne unsere Zustimmung. Ohne unser Wissen. Und wenn das nun nicht uns, sondern unser Kind betrifft, ist es umso bitterer. Denn das Kind hat nie seine Zustimmung gegeben. Es konnte gar nicht. Und für was? Für ein Like?

Austausch unter Eltern, aber “privacy please”!

Ich unterstelle hiermit niemanden eine böse Absicht. Jede Mama und jeder Papa will in der Regel nur das Beste für ihr/sein Kind. Und viele wollen sogar anderen helfen, indem sie ihre Erfahrungen miteinander teilen. So wie ich auch. Die Mama/Daddy-Blogger Fraktion, die sich über die letzten Jahre gebildet hat ist beachtlich. Genau hier beobachte ich Fotoleidenschaften, die Profifotografen erröten lassen könnten. Oder auf Instagram die Stories, die quasi öffentliches Spannen salonfähig gemacht haben. Ja es ist schön für mich, sich als Elternteil mit anderen auszutauschen und andere Mamas und Papas zu sehen, wie sie ihren Alltag so schupfen. Es hilft vielen, zu sehen, dass nicht alles perfekt ist.

Es gibt aber auch andere Eltern, die genau das Gegenteil zelebrieren und ein anderes Bild zeichnen. Vom perfekten Kinderzimmer angefangen bis hin zum perfekten Outfit. Alles perfekt. Ist mir zu perfekt! Ja ich finde auch die Kids der anderen Eltern entzückend. Die meisten zeigen auch keine peinlichen Posen, sondern wirklich süße Fotos ihrer Kleinen. Doch ich frage mich wirklich, ob es den Kindern in ein paar Jahren auch so gehen wird. Sehen sie es dann genauso wie ihre Eltern? Als den süßen Austausch mit anderen, frankiert mit ihnen als Aushängeschild?

Ich selbst habe schon oft ein tolles Bild meines Sohns gemacht und in meinem Inneren glüht dieser unbändige Stolz! Er ist so ein wunderbares Kind. Aufgeschlossen und so freundlich. Und sein Lächeln ist das Schönste das ich kenne. Möchte ich das jeder weiß, welches Glück ich da habe? Ja verdammt! Möchte ich das jeder mein Kind sieht und sagt: “Oh so ein süßes Baby!” Nochmal: ja verdammt ! Und doch tue ich es nicht. Einfach weil es uns (den Eltern) wichtig ist.

Bin ich spießig?

Vielleicht übertreibe ich und wir befinden uns gerade in einem Wandel der Zeit. Möglicherweise bin ich altmodisch und habe echt spießige Ansichten was die Privatsphäre von Babys und Kindern angeht. Doch wo zieht man die Grenze? Manche zeigen ihre Kinder nie. Sie sprechen auch nicht über sie. Manche sprechen von ihnen, zeigen auch Fotos aber nie Gesichter. Manche laden ein Bild hoch, quasi eine öffentliche Geburtsanzeige mit “Hey seht her! Wir haben jetzt das größte Wunder auf Erden bei uns. Es ist einfach toll!”. Andere aber zeigen sogar den gesamten Tagesablauf des Babys. Mit allen erdenklichen Babyposen, die diese kleinen Zwuckis so bieten können. Beim letzteren kann es sogar rechtliche Konsequenzen haben. Also Achtung!

Ich hoffe, ich habe einige Eltern zum Nachdenken angeregt. Gerne freue ich mich über euren Kommentar und eure Sichtweise 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Meine Abenteuer

Die Antwort von Instagram enthielt ungültige Daten.

Follow Me!