Bei…was? Beikost! Damit hat man eher selten als Nicht-Eltern zu tun und die eigene Babyzeit liegt meist ein paar Jährchen zurück. Als Elternteil jedoch ist es etwas ganz anderes. Ca. ab dem 5. Monat des Juniors oder der Juniorin setzt sich spätestens jedes Elternpaar mit diesem Thema auseinander. Und dann fängt der Wörter-Tango rund um das Thema “Essen und Baby” an. Und der kann recht beängstigend für uns Jungeltern sein. Da kommen Themen wie “Babys erster Brei”, “Babymenü”, “Dampfgarer”, “BLW” kurz für Baby-Led-Weaning (Baby füttert sich selbst – ja das gibt es ;-)) und so vieles mehr auf den Tisch der Jungeltern, sodass man schnell überfordert ist. Wie es mir dabei ergangen ist und warum mir das Thema am Herzen liegen lest hier.

“Startet ihr mit Karotte, Pastinake, Kürbis oder mit was genau fangt ihr eigentlich an?”

So in etwa lautete eine der ersten Fragen zum Thema Beikost, die ich auf Facebook in einer Mama-Gruppe gelesen hatte. In mir grummelte ein schummriges Gefühl mitten in der Magengegend. Ein so richtig gemeines. Die letzten Monate hatte ich es ziemlich einfach mit der Ernährung meines Babys. Ich stillte. Sehr praktisch, wenn man das Essen und Trinken immer mit sich selbst dabei hat. Und jetzt? Jetzt wird übergegangen ist einen richtigen Essensrhythmus, der sich an die großen Menschen anpassen soll. Ein Meilenstein für jedes Baby und für alle Jungeltern. Panik! Hilfe!!

Weshalb hatte ich dieses fiese Gefühl, als ich diese Frage einer interessierten Mama las? Das Thema Essen begleitet mich bereits mein Leben lang und ich gehöre wohl zur Kampfkilo-Elite seit ich Denken kann. Die Waage war bisher nicht mein Freund. Als Feind würde ich sich zwar nicht betiteln. Mein Feind war viel mehr mein unkontrolliertes Ich, dass erst sehr spät die richtige Ernährung kennen gelernt hatte. Vor meiner Schwangerschaft habe ich meine Ernährung grundlegend umgestellt und esse jetzt viel bewusster als während meiner gesamten Zwanzigerjahre. Aber nun? Nun war ich offiziell für die Ernährung von meinem Kind verantwortlich. Das ist gleich mal eine riesige Verantwortung, der sich jede Mama und jeder Papa bewusst sein sollte. Natürlich sind wir eigentlich bereits seit seiner Geburt dafür zuständig, ich als Mama sogar schon während der Schwangerschaft. Aber mit dem Beikost-Start ist die Umstellung von Milch zu fester Nahrung etwas ganz Neues. Es bedeutet, deinem Kind einen gesunden und bewussten Umgang mit Essen zu vermitteln.

Eine Herzensangelegenheit

Aus diesem Grund liegt mir das Thema Beikost so enorm am Herzen. Denn hier werden meiner Meinung nach die Weichen für einen guten Start für das Essverhalten und der Zugang zu Lebensmitteln gelegt. Und falls man sich fragen möchte, ob das nicht “eh schon voll normal” wäre, wenn Mamas sich intensiv mit Beikost auseinander setzen. Nein! Leider einfach nein. Wenn ich lesen muss, dass es Mamas gibt die ihren 5 Monate alten Baby Fruchtzwerge zur Jause geben, stellen sich bei mir alle Nackenhaare in Millisekunden auf. Diese Zuckerbombe musst erstmal verdauen.

Und mittlerweile weiß ich sehr gut, dass gesundes Essen keine Hexerei ist. Wir alle wissen meist, wie man sich gesund ernährt, doch oftmals mangelt es an der Disziplin. Dieser fiese Schweinehund in dir drinnen, der dich zum leckeren Eisbecher im Sommer überredet und der den megagroßen Burger den Vorzug gibt. Und natürlich den Süßkartoffelpommes. Jaja! Ihr wisst wahrscheinlich von wem ich da spreche. Die meisten kennen ihn. Auch wenn ich jetzt nach der Schwangerschaft wieder zu meinem alten Ich zurück finden muss, nehme ich die Ernährung meines Kindes ernst. Das bedeutet ich setze nirgends Zucker oder Salz zu, würze die Lebensmittel wie empfohlen nicht, erhitze wenn möglich nichts in der Mikrowelle, um Nährstoffe nicht zu vernichten (nur wenn es wirklich gar nicht anders geht) und versuche auch möglichst viel Bio-Lebensmittel zu verwenden.

Lausis “Fahrplan” – It’s my way

Ich kaufte mir sogar ein Beikost Buch, gefüllt mit Rezepten für Babys erste Menüs mit einem genauen Fahrplan für den Beikostbeginn. Perfekt für alle die selbst kochen wollen. Beim Hofer hatte ich das Glück, dass gerade eine Aktion am Start war, wobei wir einen bekannten Dampfgarer (Hofer hat die Aktion nicht mehr, dass findet ihr ihn hier bei Interesse!) mit Pürierfunktion relativ günstig ergattern konnten. Also alles super zum Beginn mit der Beikost. Da aber jedes Baby individuell ist, bin ich schnell darauf gekommen, dass dieser vorgeschlagene Fahrplan im Buch für mein Kind einfach nicht funktionierte. Meine Ungeduld zerrte unglaublich an mir. Neben der Ungeduld aber auch die Selbstzweifel. Mache ich alles richtig? Was mache ich falsch? Warum isst mein Kind nicht? Ich wühlte mich durch das Buch und durch die Weiten des Internets. Schlussendlich kam ich zu der Entscheidung, dass ich einfach langsamer machen musste, als vorgeschlagen. Süßkartoffeln und Kartoffeln generell waren einfach “Bäh” (Zitat Lauser).

Also gingen wir wieder zurück auf Anfang und probierten nochmal alle möglichen Gemüsesorten durch, dann langsam kamen die Kartoffeln wieder ins Spiel. Dann kam das Fleisch und der Fisch hinzu. Mittlerweile nehme ich das Buch ab und zu zur Hand, um bezüglich der empfohlenen Lebensmittel nachzulesen, auch Tipps für neue Rezepte finde ich gut, doch ich klebe nicht mehr ständig mit der Nase in dem Buch. Weil ich auch nicht immer selber kochen kann oder mag, und weil es auch manchmal ganz praktisch ist, gibt es auch ab und zu gekaufte Gläschen.

Status “Gelber Gatsch flankiert mit grünen Gurkensprenkeln”

Der Brei wird mittlerweile vom Lausi gut angenommen. Und auch das “BLW” probieren wir fast täglich aus, obwohl es wirklich eine große Herausforderung für den Monk in mir ist. Denn oh Wunder! Sobald Babys Finger mit Essen am Esslernteller hantieren, wird es dreckig. Sehr dreckig! Da schaut der weiße Tisch von Stokke daneben plötzlich himbeer- und erdbeerfarben aus, flankiert mit grünen Sprenkeln der Gurke und gelben Gatsch auf der Holzfurnier. Und im Teppich unterm Stuhl sammeln sich die zergatschten Bananen, Him-oder Erdbeeren und Gurkenreste. Leider haben wir keinen Hund, sondern eine faule Katze, die nur naserümpfend daran vorbei spaziert. Die von anderen Jungeltern empfohlene Plastikmatte werde ich mir jetzt garantiert demnächst besorgen! Ja so schlimm ist es schon 🙂 Diese täglichen Essensschlachten kann auch der Esslernteller nicht verhindern, aber er macht es einfacher, dass unser Lausi sich sein Essen selbst nehmen kann, ohne dass ich fürchten muss, der Teller zerspringt gleich in tausende Stücke. Und süß schauen die Teller auch aus!

Auch wenn das Konzept des Baby-Led-Weaning und die gleichzeitige Breigabe sich eigentlich widersprechen, habe ich für mein Kind entschieden, dass es ein guter Zugang ist, einerseits die benötigten Nährstoffe mittels Brei zuzuführen und andererseits trotzdem meinem Kind die Möglichkeit zu geben, den selbstständigen Kontakt zum Essen herzustellen. Die Lebensmittel selbst zu befühlen, die Konsistenz und ihre Beschaffenheit zu ertasten und die verschiedenen Geschmäcker kennen zu lernen, ist wie ich finde ein guter Zugang, um Lebensmittel kennen zu lernen. Auch der “Familientisch” ist bei uns eine wichtige Stütze und wird so gut geht geht umgesetzt. Familientisch bedeutet, wenn wir (ich) esse, isst auch unser Lausi mit. Das funktioniert vor allem beim selbstständigen Essen, beim Breiessen eher weniger. Für uns ist das perfekt, da unser Kind mitbekommt, dass Essen auch etwas geselliges ist und er es als Familienaktivität wahrnimmt. Ich kann jedem nur empfehlen, sich selbst ein Bild davon zu machen und mit seinem Kind gemeinsam auszuprobieren, was am besten funktioniert und angenommen wird. Denn wie erwähnt, is(s)t jedes Kind individuell.

Beikost Probleme?

An dieser Stelle betone ich, dass ich keine Expertin bin und lediglich von meiner eigenen Erfahrung berichten kann. Wenn du unsicher bezüglich dem Beikost Start bist oder dein Baby und du Probleme bei der Beikost habt, empfehle ich dir eine Hebamme oder deine/n  Kinderärztin/arzt zu kontaktieren. Ich selbst habe viele gute Tipps aus diversen Stilltreffs, geleitet durch ausgebildete Hebammen mitbekommen.

Wenn du aus Wien bist, empfehle ich dir das Hebammenzentrum in Wien! Dort kannst du dir kostenlos mit einen Termin Rat suchen. Auch die Stilltreffs kann ich wärmstens empfehlen. Dort sind alle sehr nett, zuvorkommend und du lernst ganz leicht andere liebe Mamas kennen.

Ich würde mich sehr über ein Kommentar deinerseits freuen und lesen wie es dir beim Beikoststart ergangen ist.

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