Der letzte Adventssonntag ist nun endlich gekommen! Und morgen schon steht auch wieder das Christkind vor der Tür. Die Adventszeit ist meiner Meinung nach etwas ganz Besonderes. Ist sie doch dazu da, sich selbst zu besinnen und über das Mensch-Sein nachzudenken. Das Weihnachtsfest am Ende der Adventszeit ist dann der schöne Abschluss mit Geschenken und Zeit mit Freunden und Familie. Besonders die leuchtenden Kinderaugen, die strahlend auf den glänzenden Christbaum, voll behangen mit verzierten Kugeln und Süßigkeiten blicken, sind außergewöhnlich und alles was das Elternherz begehrt.

Diese Zeit, die ganzen lieben Menschen um uns herum und diese leuchtenden Kinderaugen sind wohl das Wichtigste wie ich meine. Umso schmerzlicher ist es für Einige, die nicht viel haben und ihren Kindern kein Weihnachten mit vielen Geschenken, Bäumen oder gar ein eigenes Dach über den Kopf geben können.

In diesem Adventskrimi geht es um den Fall der gestohlenen Lebkuchen, die auf wundersame Weise an die Mutter-Kind Einrichtungen der Caritas und der Kolping Häuser gespendet werden.

Mit dieser Geschichte wollte ich ein Bewusstsein schaffen, dass es auch Kinder und Eltern gibt, denen es leider gerade nicht so gut geht wie uns. Wenn ihr also noch ein Last-Minute Geschenk schenken wollt, dann würde ich mich freuen, wenn ihr an die Familien in den MUKI-Einrichtungen denkt und ihnen eine Spende zukommen lässt.

Link zu den Webseiten und die Spendenkonten findet ihr ganz unten am Ende meines Adventskrimis. Habt alle ein schönes Weihnachtsfest mit leuchtenden Kinderaugen!

Hier findest du die vorherigen Teile des Adventskrimis:

Adventskrimi – Teil Oans

Adventskrimi – Teil Zwoa

Adventskrimi – Teil Drei


Adventskrimi – Teil Via

Vivi blickte auf den kleinen Wuschelkopf herab, der sich soeben zaghaft in ihre Richtung bewegt hatte. Dieser schaute wundersamer Weise nicht weg, sondern tief in ihre grün-blauen Augen. „Hey Kleiner! Ich hab‘ dich gerade was gefragt,“ trotzte Vivi schon leicht ungeduldig. Langsam kam Leben in den kleinen Menschen vor ihr: „Wir wollten doch nichts Böses! Sondern nur Gutes tun. So wie ihr damals auch was Gutes getan wurde. Das hat sie uns immer erzählt und dann glitzern ihre Augen so schön! Und wer weiß wie viele Weihnachten sie noch hat. Zumindest sagt sie das immer.“ kam es nun sprudelnd aus dem Winzling heraus.

„Ruhig Blut mit den jungen Pferden! Du sagtest du wärst der Bruder von Nawdral? Wie heißt du denn? Und wen meinst du mit „sie“? bohrte Vivi drängend nach. Der Junge ließ den Kopf hängen. Anscheinend waren das zu viele Fragen auf einmal für ihn. Vivi schalt sich. Mit kleinen Kindern hatte sie noch nicht viel Erfahrung. Valentin war noch ein Baby. Viele Diskussionen hatte sie da noch nicht geführt. Sie atmete tief durch, ging in die Knie und beugte sich vertraulich dem Jungen entgegen.

Dieser stand wie eine Eiche fest im Boden. Nichts bewegte sich, sein Kopf hing traurig von den kleinen Schultern und was war das? Er schniefte leise. Vivi sah genau hin. Da glitzerte etwas in seinem Gesicht. Zuerst eine, dann zwei und plötzlich liefen Bäche an glitzernden Tränen die kleinen Pausbäckchen herab. „Au weia!“ dachte Vivi alarmiert. So hatte sie sich das Verhör nicht vorgestellt. Eigentlich sollte sie dem großen Wuschelkopf jetzt nachfahren, diesen verhören und ausquetschen. Stattdessen brachte sie den kleinen Wuschelkopf zum Weinen. „Na toll gemacht Vivi“ schalt sie sich selbst. Leise und bedächtig wanderte ihre beiden Hände zur Schulter von Emil. „Schschsch!“ kam es ihr sanft von den Lippen. Er blickte auf und sah in ein verwirrt blickendes Gesicht, dominiert von einem liebevollen Blick und fragenden Augenbrauen. Vivi hielt ihm ein Taschentuch entgegen und lächelte ihn freundlich an.

Das Geständnis

Es stellte sich heraus, dass der junge Bursche Emil hieß. Sein Bruder Wolfgang und er hatten gemeinsam mit einem Freund des Bruders „den perfekten Plan“ ausgeheckt. Dadurch dass Wolfgang Zugang zum Lebkuchenstand hatte, war es ein Leichtes die Lebkuchen mitten in der Nacht in den Bus zu entführen und dann bei den Mutter-Kind-Häusern abzuliefern. Stolz erklärte Emil bei der spendierten Tasse Kakao, dass er ganz alleine die Idee hatte. „Soso,“ dachte Vivi. Der Bengel hatte es also faustdick hinter den Ohren. „Eigentlich haben Wolfgang und Roland mit nur geholfen! Die können ja nix‘ dafür, dass ich sie so angebettelt hab und sie weich geworden sind,“ gab Emil noch eins drauf. Also der Junge hatte er mehr als faustdick hinter den Ohren. Der war nicht mehr grün, sondern da schillerten alle Farben des hiesigen Farbspektrums hindurch.

„Ahja. Und denkst du Wolfgang und Roland sind glücklich über diese Entwicklung und dein Geständnis? Da ist euer Plan wohl leider schief gegangen. Und die Polizisten freuen sich wenigstens sicher über den aufgeklärten Fall. Zwei Täter reichen wohl, dich kann ich ja wohl schwer übergeben. Du bist ja grad mal zehn Jahre alt!“ schalt Vivi Emil. Der Wuschelkopf schluckte schwer.

„Aber..aber.. wir wollten wirklich nix‘ Böses. Der Omama zu Liebe hab‘ ich den Plan geplant. Weißt du, die Omama hatte es nie leicht, so wie sie uns das erzählt hat. Und sie war mit Mama und Onkel Manfred vor ewigen Zeiten in so einem ähnlichen Haus wie diese Muki Häuser. So einem wo sie den Mamas und Papas helfen, weil sie kein Dach mehr über den Kopf haben. Da war die Mama und der Onkel Manfred noch ganz klein. Und der Opapa war gerade gestorben, die Wohnung weg und sie waren ganz alleine.“ schniefte Emil aufgeregt.

Nur Gutes

Vivis Herz wurde ganz schwer und leicht zugleich. So war das also. Der Emil liebte seine Omama augenscheinlich aus tiefsten Herzen und würde dafür Lebkuchen, die nicht ihm gehörten mir nichts, dir nichts opfern. Zugegeben. Strafbar konnte er sich noch gar nicht machen. Aber der Bruder und sein Freund hatten nun leider einen unaufhaltsamen Ärger am Hals. Eigennützig hatte der kleine Emil und seinen Kumpanen ganz sicher nicht gehandelt. Doch das Motiv war Vivi noch nicht ganz klar. Weshalb die Lebkuchen von Moser an die Einrichtungen „verschenken“? Sogleich fragte sie dies auch Emil.

Emil schlürfte den letzten Schluck Kakao. Sie standen bei einem der Punschstände. Dorthin hatte Vivi den kleinen Jungen verfrachtet, immer im Blick, falls er doch abhauen wollen würde. Doch diese Gefahr schien längst gebannt, denn Emil wirkte gelassen. Er schielte leicht an ihr vorbei und zuckte augenmerklich zusammen. Ihn durchfuhr etwas mit dem Vivi nicht gerechnet hatte. Sie war schon in Habachtstellung, um Emil nach zu hechten, falls dieser nun doch weglaufen wollte. Doch etwas anderes durchfuhr seinen Körper und Gesicht. Es war unbändige Freude, getoppt mit einem breiten Grinsen! Vivi drehte sich um. Auf sie zu kam ein bekanntes Gesicht. Es war die ältere Dame in der blauen Schürze, die Vivi noch vor einigen Tagen am selben Christkindlmarkt getroffen hatte. Damals hatte die Frau den Boden vor ihr gesäubert und mit ihr ein paar freundliche Worte gewechselt.

Die Omama

Emil lief plötzlich los und stürmte der älteren Dame entgegen. Er umarmte sie fest und juchzte: „Omama! Omama!“ voll Freude. Vivi fiel nun auch die weißen Locken auf, die die Frau sorgfältig mit einem Haarkamm zurückgesteckt hatte. Da war eine unverkennbare Ähnlichkeit, die die beiden teilten. „Na hallo mein Liebling! Emil, sag‘ einmal was wos mochst du denn do? Wo is‘ denn der Wolferl? Und was mochen Sie eigentlich do mit meinem Enkerl?“ ging die Befragung durch die Omama los. Vivi fand sich auf den Seiten vertauscht.

Sie stemmte energisch die Hände gegen ihre Hüften und wollte gerade ansetzen, um zu antworten, da fuhr Emil verbal dazwischen. „Omama! Wir haben was Dummes, aber auch eigentlich was voll Nettes gemacht! Wolfgang, Roland und ich sind die Lebkuchen-Diebe! Wir wollten doch nur, dass du dich freust! Die Lebkuchen, die du doch so liebst sollten auch den anderen Mamas und Kindern Freude bringen, damit die auch alle ein schönes Weihnachten haben, nicht so wie Mama, Onkel Manfred und du damals,“ wurde Emil immer leiser und schaute die Omama herzzerreißend an. „Also der nutzt den Enkerlbonus ziemlich dreist aus. Und diese riesigen Augen. Wie kann denn da jemand widerstehen?“ schnaubte Vivi innerlich.

Die Lausbuam

Die Omama reagierte mit einem heftigen „Herrschaftszeiten! Ihr Lausbuam!“. Mehr kam ihr dann aber auch nicht über die schmalen Lippen, so heftig zitterten diese und auch ihre Hände stimmten ein. Eine dicke Freudenträne ran über ihre rötlich gefärbte Wange und die haselnuss-braunen Augen strahlten richtig. Sie drückte Emil fest an sich. Vivi gab unumwunden zu, dass die Omama wohl nicht lange bös sein konnte auf ihre Lieblingsenkerl.

Vivi hatte hier wohl mit dem seltsamsten Fall seit etlichen Jahren zu tun. Einerseits gab es den Diebstahl von Kiloweise Lebkuchen, was an sich schon sehr ungewöhnlich war und dank ihrer Ausdauer und guten Recherche sowie einigen glücklichen Fügungen konnte ihr Fall auch recht schnell gelöst werden. Nur dass ihr die Täter nun auch wirklich sympathisch waren und vor allem so unschuldig im Denken waren, dass war eine wirkliche Seltenheit. Sie entschied sich etwas zu tun, was sie bisher noch nie getan hatte. Sie forderte einen Gefallen ein.

Der Gefallen

Vivi hatte sich noch lange am Christkindlmarkt mit der Omama und Emil unterhalten. Die Omama war als dortige Reinigungskraft angestellt, um sich ihre Pension aufzubessern und übergab ihre Schicht rasch ihrer jüngeren Kollegin, sodass sie ganz und gar für die Detektivin und Emil da sein konnte. Als es langsam noch kühler wurde, begleitete Vivi die beiden sogar bis Nachhause in deren Altbauwohnung, wo schon Wolfgang mit Mama Monika wartete.

Diese staunte nicht schlecht, über die Ereignisse, die sich ohne ihr Wissen ereignet hatten. Auch Wolfgang schien reuig zu sein. Vor allem darüber, erwischt worden zu sein. Dass er seinen Job bei Moser-Lebkuchen derartig ausgenutzt hatte, schien ihm aber doch schwer im Magen zu liegen. Aber Emil machte gleich auch seinen Standpunkt klar: „Der Lebkuchen ist jetzt sicher besser aufgehoben, als bei den ganzen Touristen.“ Die Omama, Monika und Vivi schauten sich kurz still an. Alle saßen rund um den Tisch in der Küche. Nur der Wasserkocher am Herd pfiff langsam los. Zuerst grinste die Omama, dann Mama Monika und auch Vivi konnte es sich nicht verkneifen. Alle prusteten los. Was waren das bloß für Lausbuben!

Vivi war zwischenzeitlich heimgefahren zu ihrem Mann und Valentin. Diesen hatte sie die letzten Tage schmerzlich vermisst. Sie dachte darüber nach, wie gut es ihr doch ging. Ein Dach über den Kopf, eine Familie, die sie liebte und einen Job, der eindeutig ihre Berufung war. Es ging ihr also hervorragend. Nachdem sie Valentin einen Gutenachtkuss gegeben hatte und ihr Mann ihren gemeinsamen Sohn ins Bettchen gebracht hatte, zückte Vivi ihr Smartphone. Sie hatte einige Anrufe zu erledigen. Der Gefallen musste nun eingefordert werden.

Ein Weihnachtswunder

Vivi lehnte sich glückselig in ihren Ohrensessel, zog die Beine zu sich und schlürfte aus ihrer überdimensionalen Tasse genüsslich ihren Schwarztee. Alles war wie sie es sich erhofft hatte. Der Staatsanwalt, der ihr noch besagten Gefallen schuldete meinte lapidar, dass dieser Fall wohl wirklich eine gute Werbung für Herrn Moser gewesen sein müsste. Und diese Burschen würden dies ja sowieso nie wieder machen. Sie solle ihnen nur bitte ordentlich ins Gewissen reden, damit er diese Entscheidung nicht in ein paar Jahren vorm Jugendgericht bereuen würde. Und auch die Polizei gab ihren unverhofften Segen. Vivi wollte als Goodwill auf ihren Stundensatz komplett verzichten, so hatte sie doch wirklich gute Arbeit geleistet, aber sie wollte den guten Willen nicht überstrapazieren.

Doch Alva schüttelte vehement den Kopf und fragte süffisant: „Bist jetzt deppert Vivi? Gehakelt hast ja wie irre und auch erfolgreich warst. Dass die drei Burschen entdeckt worden sind, haben wir nur dir zu verdanken. Und auch der Herr Moser ist gar nicht mehr bös‘, sogar richtig glücklich. So viel gute Werbung hatte der noch nie!“ Vivi nickte folgsam. Nein deppert war sie sicher nicht, aber inspirieren lassen hatte sie sich. Sie wusste schon ganz genau an wen ihr Lohn dieses Mal gehen würde. Sie hatte von einem ziemlich frechen aber lieben Lausbuam gehört, dass es einige Kinder und Eltern gibt, die ein schönes Weihnachtsfest gebrauchen können. Das würde sie jetzt in die Wege leiten.


Hier die Links zu den Spendenkonten:

Caritas – MUKI Häuser

Kolping – Mutter-Kind-Einrichtungen

*Dieser Blogpost wurde nicht bezahlt.

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