Und wieder ist eine Woche vorbei gerauscht, wie Meereswellen an einem warmen Tag am Strand. Von diesem Szenario träumt wohl mancher Grinch. Aber richtig winterlich und schneeweiß ist es in Wien nun geworden. Und so liebe ich es. Vor Weihnachten ist der Schnee ja bekanntlich wunderschön, am Heiligen Abend sehnlichst herbeigewünscht und nach Silvester eine Plage und keiner will mehr was davon wissen. Vor allem in Wien, wenn er gatschgrau wird. Verständlich oder?

Auch bei der Detektivin Vivi ist gerade ein dicker Wintereinbruch verzeichnet worden und trotz der klirrenden Kälte scheint sie einer heißen Spur nachzujagen. Es geht weiter mit dem spannenden dritten Teil des Adventskrimis. Bitteschön.

Hier findest du die vorherigen Teile des Adventskrimis:

Adventskrimi – Teil Oans

Adventskrimi – Teil Zwoa

Adventskrimi – Teil Drei

Es war so bitter kalt. So kalt, dass ihre Zehen einzeln tanzen mussten, damit sie nicht jämmerlich vom Ballen abfielen. So zumindest stellte Vivi sich gerade den Innenraum ihrer blöden Turnschuhe vor. Weshalb zum Teufel hatte sie diese heute bloß angezogen? Sie war so in Gedanken zum Fluchtfahrzeug gewesen, dass sie automatisch zu den Turnschuhen gegriffen hatte. Das letzte Mal, dass es geschneit hatte war vor zwei Wochen gewesen. Seitdem war es wieder wärmer gewesen, daher hatte sie die Turnschuhe überhaupt noch nicht eingewintert. Tja. Pech für sie. Und für ihre armen Zehen.

Ihren Sohn Valentin hatte sie soeben zur Oma gebracht. Der kleine Knopf hatte in der Morgenroutine natürlich auch nicht darauf hingewiesen, dass bei Schnee wohl keine Turnschuhe angebracht wären. Wie auch. Reden konnte er noch lange nicht. Während sie zu ihrem Lieblingslied von Motörhead die volle Haarpracht schüttelte, dabei mit ihren Strähnen das Gesicht von Valentin kitzelte und er kuderte, als ob es kein Halten mehr gäbe, war der Lebkuchen-Fall kurz vergessen. Und der Wetterbericht auch. Ihren Sohn hatte sie als fürsorgliche Mama natürlich trotzdem ganz dick eingepackt. Wie immer, seit die Temperaturen tiefer ausfielen.

Bad News – Good Lebkuchen

Sie hatte gerade ein Telefongespräch mit Alva beendet. Schlechte Nachrichten musste sie jetzt verdauen. Wie befürchtet war der VW Bus mit der auffälligen Lackierung in grün-weiß nicht registriert. Jetzt stand sie hier und beobachtete das Treiben rund um sie herum. Alles leuchtete bunt. Genau wie vor einigen Tagen. Und auch der Schneematsch war wieder wie ein weißer Teppich ausgerollt. „Kacke“ dachte Vivi und schaute zerkniffen auf ihre Füße. Die Sonne schien fröhlich vor sich hin, doch dies täuschte bitter. Denn es war arschkalt. Sie befand sich mitten am Campus des Alten AKHs. Am Tatort, wo alles begonnen hatte. Der Lebkuchenstand war jedoch dieses Mal wunderbar voll aufgefüllt und konnte sich vor Besuchern kaum retten. Jeder wollte anscheinend einen Moser-Lebkuchen für seine Liebsten kaufen. Die „Spendenaktion“ an die Mutter-Kind-Einrichtungen war durch die Presse gelodert wie ein unaufhaltsames Feuer und knisterte nun beim Verkauf des Lebkuchens weiter.

Vivi rieb sich die Hände, um diese schön warm zu bekommen. Wer Turnschuhe anhatte, hatte natürlich auch nicht an Handschuhe gedacht. Konsequent war sie allemal. Vivi rollte innerlich die Augen. Am Lebkuchenstand war gerade Schichtwechsel angesagt. Sie erkannte den jungen Nawdral, der seine Kollegin begrüßte und sich dann über den Hinterausgang verdünnisierte. Vivi trat näher und bog um die Ecke, um den Wuschelkopf zu begrüßen. Ein oder zwei Fragen konnten ja nicht schaden, um endlich Licht ins Dunkle zu bringen. Kurz bevor sie fast um die Ecke rutschte (blöde Turnschuhe!) hielt sie inne und blieb stehen. Sie hörte zwei Stimmen, die sich angeregt unterhielten. Verflixt! Die genauen Worte wehte der aufkommende Wind weg von ihr. Sie schnappte nur Wortfetzen wie „Muki“ und „Schüssel“ auf. Oder war es nicht doch eher „Schlüssel“? Interessante Unterhaltung die der junge Nawdral da führte. Sie lugte vorsichtig um die Ecke.

Überall Wuschelköpfe

Nawdral stand lässig gelehnt gegen die Wand des Lebkuchenstands und paffte gemütlich an seiner selbstgedrehten Zigarette. Neben ihm kauerte am Boden eine Person, die durch einige Mülltonnen verdeckt wurde, nur die blauen Schuhspitzen lugten ein Stück hervor. „Eine sehr kleine Person muss das sein,“ dachte sich Vivi sofort. Sie räusperte sich und machte sich so bemerkbar, als sie um die Ecke trat. „Ok mach das! Und kein Wort zu Niemanden.“ wisperte Nawdral gerade seinem kleinen Freund zu, als er sie erstaunt bemerkte.

Leicht ertappt wirkte er. Aber nur leicht. Sein Freund hingegen war aufgesprungen und lief hochrot an. Jetzt sah sie die verblüffende Ähnlichkeit zu Nawdral. Ein braunhaariger Junge, mit fast identischer Wuschelhaar-Pracht am Kopf stand da wie angewurzelt. Stechend grüne Augen starrten sie ängstlich an, nervös tänzelten die blauen Schuhe auf und ab. „Ich muss dann mal los!“ rief der Junge von etwa zwölf Jahren. Und schon flitzte er am Stand vorbei und wand sich durch die Menge der Christkindlmarkt-Besucherinnen.

Vivi tippte sich ans Kinn und fuhr dann mit der linken Hand zu ihren Ohrläppchen. Während sie sich daran kratzte fragte sie Nawdral: „Ja hallo! Wer war denn dieser flinke Bursche? Die Ähnlichkeit ist ja erstaunlich. Holt er die Schlüssel?“. Anstatt Vivi eine Antwort zu geben, ging Nawdral einfach in die freche Offensive: „Wie kann ich der werten Frau Detektivin Uhl denn helfen?“ und ignorierte beinhart ihre soeben gestellte Frage. Vivi war drauf und dran den kleinen Scheißer an der Gurgel zu packen, ihn gehörig durchzuschütteln, um so eine Antwort zu erhalten.

Ruhig Blut

Nur schwer zwang sie sich selbst zur Contenance und lächelte ihr Gegenüber sanft an. Das Aggressionstraining machte sich bezahlt. Und ihre Meditationslehrerin würde wahrscheinlich Luftsprünge über diesen Fortschritt machen. Die paar Monate „Pause“ taten ihr anscheinend echt gut. „So jetzt pass mal auf du Honigfurzer. Am besten du beantwortest richtig dalli meine Fragen, ansonsten hast du mit meinen Freunden von der Kiwarei bald ein Stelldichein. Suchs dir aus. Entweder tratschst du mit mir oder mit denen. Dass du mir was verschweigst ist ja offensichtlich.“ Ok. Zumindest im physischen Bereich hatte sie sich brav zurückgehalten.

Nawdral schluckte hörbar. Das lässige Grinsen war verschwunden. An dessen Stelle war eine leichte Verunsicherung bei den Lachfalten gewichen. „Öhm..“ stutzte der Wuschelkopf wie blöde. „Öhm wie bitte?“ hakte Vivi nach. Plötzlich zuckte er zusammen und gab Fersengeld. „Was zum Teufel!?“ stieß Vivi hervor. Damit hatte sie jetzt echt nicht gerechnet. Der Kerl flitzte wie zuvor der andere kleine Wuschelkopf durch die Menge. „Jetzt aber flott hinterher,“ dachte sich die Detektivin und grätschte los. Lange schon war sie nicht mehr so flott gelaufen. Dementsprechend war auch ihre Kondition im Eimer.

Scheiß Turnschuhe!

Seit Mitte der Schwangerschaft hatte sie auf ihr wöchentliches Training verzichten müssen. Stattdessen waren Yoga und Meditation ihre neuen besten Freunde geworden. „Na toll! Im Meditieren bin ich Meisterin. Nur hilft das beim Laufen wenig,“ röchelte sie in Gedanken. Und nun schlitterte sie auch noch mit ihren Turnschuhen am glatten Boden dahin. Scheiß Turnschuhe! Nawdral lief ziemlich gekonnt durch die Menschenmenge, als hätte er nie was anderes gemacht und war schon fast außer Sichtweite. So schnell gab sich Vivi aber nicht geschlagen und hastete ebenfalls vorbei an den Punschtrinkenden Männern und Frauen, die sich gegenseitig zuprosteten.

An der Ecke des Campus blieb sie stehen und blickte sich in alle Richtungen um. Hier irgendwo musste er doch sein. Hatte sie ihn wirklich so schnell verloren. Ihr wurde schlecht. Ihre Kondition war wirklich ein Hund! Plötzlich heulte ein Motor auf und an ihr vorbei fuhr in einem schnellen Tempo ein VW Bus. Ein VW bus in grün-weißer Lackierung! „Das gibt’s doch nicht!“ entfuhr es Vivi durchaus überrascht. Am Steuer saß ein junger Mann mit lockigem Haar. Gesicht konnte sie keines erkennen. Sollte Nawdral ihr Lebkuchendieb sein? Das musste wohl so sein, denn an Zufälle glaubte sie eher nicht.

Das war ja ein Ding. Der junge Mitarbeiter von Herrn Moser überraschte sie. Das Kennzeichen hatte sie sich mit Leichtigkeit gemerkt. Und wo Nawdral wohnte wusste sie auch. Jetzt war sie gespannt wie er sich da herauswinden wollte. Sie stierte dem Bus hinterher, obwohl dieser schon lange nicht mehr zu sehen war. Plötzlich bemerkte sie in ihren Augenwinkeln eine kleine Gestalt, mit wuscheligem Haar die auf sie zaghaft zuging und an ihrem Ärmel zupfte. „Ähm. Bitte verhaften sie meinen Bruder nicht. Wir wollten doch nur was Gutes für sie machen.“ Vivis Augen durchleuchteten den Jungen, der sie eben angesprochen hatte. „Wem wolltet ihr etwas Gutes tun?“ fragte sie interessiert.

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