Und schon wieder ist eine Woche rum! Die Adventszeit verfliegt immer so schnell. Ich bin ein absoluter Weihnachtsfan und liebe das Kitschige rund um dieses besondere Fest. Letzten Sonntag habe ich euch den ersten Teil meines Adventskrimis vorgestellt. Da ist der Detektivin Vivi aber ein interessanter Fall vor die Füße gefallen. Was meint ihr? Heute geht es weiter mit dem Adventskrimi, passend zum zweiten Adventssonntag auch der zweite Teil. Viel Spaß beim Lesen!

Hier findest du den vorherigen Teil des Adventskrimi:

Adventskrimi – Teil Oans

Adventskrimi – Teil Zwoa

Endlich war Vivi in ihrer Detektei angekommen. Valentin hatte sie nun doch nicht bei der Oma gelassen, da diese mit einer starken Erkältung das Bett hüten musste. Aber Daniel konnte sich von seiner Arbeit gut freischaufeln, also war Valentin beim Papa geblieben. Als Architekt würde Daniel sich ein paar lustige Dinge einfallen lassen, um Valentin bestens zu bespaßen. Er freute sich darauf die Zeit mit seinem Sohn genießen zu können und seine Frau Vivi so gut es geht zu unterstützen. Viv war einfach nur glücklich, dass Daniel für sie da war. Und endlich hatte sie auch ein bisschen Zeit um sich sammeln zu können und ihre ganze Aufmerksamkeit dem mysteriösen Fall der verschwundenen Lebkuchen zu widmen.

“Puuh” schnaufte Vivi geschafft. Nach drei langen Stunden penibler Detektivarbeit brauchte sie nun eine wohlverdiente Verschnaufpause. Sie befüllte die Filterkaffeemaschine mit frischem Wasser und ordentlich viel frisch gemahlenen Röst-Kaffee. Den herben Belebertrank brauchte sie jetzt ganz dringend. Nachdem sie sich die letzten Stunden mit einer Handvoll Verdächtigen herumgeschlagen hatte, ließ sie sich auf ihre bequeme Gästecouch in ihrem Büro fallen. “Und hoch die müden Beine” dachte sich Vivi gemütlich. Jetzt musste sie mal kurz ausspannen und die neuesten Erkenntnisse wie üblich noch einmal gedanklich zerpflücken, zerkauen und durchspielen.

Die Detektivin

Vivi wäre keine ausgezeichnete Detektivin, wenn sie nicht alles haarklein zerdenken würde. Einerseits gehörte viel Ausdauer, Schlagfertigkeit und Cojones zum Schlag der Detektive. Anderseits auch einiges an Fingerspitzen-Feingefühl, die Fähigkeit, messerscharf Fakten zu eruieren und zu kombinieren sowie die äußerst wichtige Eigenschaft der Gründlichkeit. Ja Gründlichkeit war das “Ah” und “Oh” der Detektivarbeit. Dies alles plus eine kleine Daumenkuppe mit Mut gehörte zu der idealen Stellenbeschreibung als Detektivin. Sie selbst hatte sich nie gedacht, dass sie mal eine eigene Detektei haben würde, geschweige denn als selbstständige Detektivin zu arbeiten.

Als kleines Mädchen wollte sie Tierärztin werden. Für viele kleine Mädchen ein Traumberuf! Nur leider merkte sie schnell, dass ihr leidende Tiere das Herz buchstäblich zerrissen. Sie wollte natürlich helfen, aber indem sie Tiere von Schmerzen befreien indem sie sie auch einschläfern müsste? Oh nein! Diese notwendige aber schreckliche Tatsache könnte sie nie begehen. Also dümpelte sie in ihren Teenagerjahren so dahin ohne wirklich einem nennenswerten Berufswunsch nach zu hechten.

Irgendwann hatte sie wieder einmal ihre Lieblingskrimiserie gesehen und entdeckt, dass es das Berufsfeld des Detektiv gibt. Sie war fasziniert davon und erkundigte sich im Internet in diversen Foren wie und was sie tun müsste, um eine waschechte Detektivin zu werden. Nach der Matura und einigen Jahren Ausbildung sowie etlichen Fortbildungen hatte sie ihr Ziel erreicht und schlussendlich ihre eigene Detektei gegründet. Ohne die finanzielle Hilfe ihres Opas, der als einziger an den unüblichen Berufswunsch seiner Enkelin glaubte wäre dieser Traum wohl auch nur ein Traum geblieben. Und zwar ein unerfüllter.

“Danke Opi” dachte sich Vivi dankbar als sie ihren übermäßig starken Filterkaffee runter schlürfte. Dabei sah sie auf das Bild ihr schräg gegenüber. Dies zeigte sie stolz, mit Urkunde in der Hand, gleich neben ihrem Opa, der noch stolzer im Rollstuhl thronte. Das war nun sieben Jahre her. Vor drei Jahren war ihr geliebter Großvater ins Heim umgesiedelt. Dort erfreute er sich bester Gesundheit indem er seine Donnerstägigen Schnapsrunden zelebrierte und dabei unaufhörlich mit den rüstigen Heimmädels und Krankenschwestern schäkerte.

Die Verdächtigen

Nachdem sie sich einen Gedankenausflug zu ihren Liebsten erlaubt hatte, schwenkte ihr Blick auf ihren mäßig aufgeräumten Schreibtisch. Eben noch war sie auf der Wache gewesen und hatte von Alva den Auftrag erhalten, ihre Spürnase in die Angelegenheiten der Wiener Polizei zu senken. Nun saß sie hier und starrte auf die elends dünne Akte “Diebstahl Lebkuchen Moser”, die sie Alibihalber erhalten hatte. Auch einen USB Stick mit den elektronischen Daten hatte sie übergeben bekommen.

Mit Herrn Moser hatte sie den ersten Verdächtigen ins Visier genommen. Dieser war zwar das eigentliche Opfer, aber zur gründlichen Detektivarbeit gehörte es auch, wirklich alles und jeden zur überprüfen. Und dabei war es notwendig allen Indizien nachzugehen. “Wer weiß schon, welche Gründe es für diesen seltsamen Diebstahl gibt.” fragte sich Vivi laut. Daher hatte sie zunächst Herrn Moser aufgesucht und nachgefragt, was er eigentlich von der ganzen Sache hält.

Herr Moser konnte sich wie erwartet keinen Reim darauf machen. Seine bekannte und gut situierte Lebkuchen-Manufaktur im Familienbetrieb hatte keine Feinde und war überall sehr beliebt. Es gab keine Drohungen oder sonstiges gegen ihn oder seinen schmackhaften Lebkuchen. Herr Moser hatte sich mittlerweile gefasst und war guter Dinge, da ihm die Lebkuchen “Spende” gute Presse gebracht hatte. Das war eine Sackgasse, soviel war sich Vivi sicher.

Auch die Assistentin von Herrn Moser, Frau Klein konnte sich nicht vorstellen, weshalb und wie es zu diesem ungewöhnlichen Schwund der Bäckereien gekommen war. Lediglich fröhlicher gestimmt war die Gute, als sie erfuhr, dass die Lebkuchen an soziale Einrichtungen verteilt worden waren. Ein offensichtlich einfaches, aber sicherlich gutes Herz hatte Frau Klein. Sie bestätigte außerdem, dass nur Herr Moser und zwei Angestellten der Manufaktur einen Schlüssel für den Lebkuchenstand hatten. Natürlich hatte Vivi auch diese beiden Herrschaften zusätzlich überprüft und befragt.

Eine Vorstrafe und viel Liebe

Bei einer der beiden Angestellten fiel Vivi eine Vorstrafe ins Auge. Die ältere Dame namens Susi Loser hatte vor bald einem Jahrzehnt einen Ladendiebstahl in ihrem Vorstrafenregister vermerkt. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Lippenstift den sie versehentlich in ihrer Schusseligkeit eingesteckt hatte. Der Ladenbesitzer wollte damals partout nicht auf die Anzeige verzichten. Das Ganze artete ungewollt in einem riesigen Missverständnis mit dem Ergebnis einer Vorstrafe für Frau Loser aus. Die Dame tat Vivi irrsinnig leid. So viel Frust und Ärger nur wegen einer unüberlegten Unachtsamkeit. Sogar Herr Moser, der als strenger Chef verschrien war, hatte damals bei Einstellung der Dame darüber hinweggesehen.

Der zweite Angestellte war deutlich jünger, kaum zwanzig Lenzen. Der junge Bursche mit Namen Wolfgang Nawdral wirkte, als ob er eine lupenreine Weste hätte. Mit einer unergründlichen Miene erklärte der Wuschelkopf sehr überzeugend, keinerlei Wissen über die verschwundenen Lebkuchen zu haben. Vivi hatte während des Gesprächs ein undefinierbares Gefühl im Bauch. Nawdral wirkte von seiner Art her grundehrlich, jedoch blitzte etwas in seinen grünen Augen auf, als Vivi nachfragte was er vom Fundort der Lebkuchen hielt.

Es kam ihr vor als würde ein kleines Lächeln mitten durch seine Augen huschen. Nur sein Mund verzog sich kein bisschen und auch seine Worte wirkten ehrlich überrascht: “Als ich in der Früh den Stand aufgesperrt hatte, war alles blank und leer geräumt. Kistenweise Lebkuchen waren weg! Und dann tauchen die einfach dort bei den Mutter-Kind-Häusern der Caritas und der Kolping Österreich auf! Arg, aber schon irgendwie auch cool, oder?”.

Die Worte geisterten noch immer Vivi in ihren Gedanken nach. Cool? Ja irgendwie schon. Aber doch war es unrecht einfach so mir nix dir nix fremdes Eigentum zu verschenken! Was Vivi aber sehr wohl bemerkte war, dass sich ein Muster abzeichnete. Die Lebkuchen wurden explizit an Mütter mit Kindern in Not gespendet, nämlich an sogenannte Mutter-Kind-Einrichtungen. Mütter oder Väter die in Not geraten waren, obdachlos und nicht weiter wussten, wohnten in diesen. Oftmals mit kleinen Kindern, die sich nichts sehnlicher wünschten als eine glückliche Mama oder Papa und ein warmes Dach über den Kopf.

Also auch Menschen die sich gerade in der Weihnachtszeit über eine solche Lebkuchen-Spende irrsinnig freuten! Oftmals konnten die Mütter und Väter ihren Kindern aufgrund ihrer eigenen Notsituation selbst nicht viel geben, außer ihre bedingungslose Liebe. Hier waren die “Spenden” sicher nicht vergeblich, davon war Vivi überzeugt. Der Mitarbeiter Nawdral zeigte zwar bei der Befragung keine offensichtliche Gefühlsregung, doch irgendetwas verschwieg er. Vivi würde sich später nochmals mit Nawdral beschäftigen. Bald würde sie herausfinden was es war. Das verriet ihr tobendes Bauchgefühl.

Eine Spur

Nachdem die Manufaktur keine brauchbaren Anhaltspunkte lieferte war Vivi zu den Fundorten der Lebkuchen gefahren. Dies war zunächst auch nicht wirklich vielversprechend. Sowohl bei den MUKI Häusern der Caritas als auch bei denen der Kolping Österreich in der Leopoldstadt und Favoriten. Niemand konnte sich erklären weshalb ausgerechnet der Moser Lebkuchen geklaut und dann ihnen gespendet wurde. Weiters hatte niemand der Mitarbeiterinnen gesehen wer die schweren Kisten vor den Türen der Einrichtungen abgelegt hatte.

Vivi kratzt sich am Ohrläppchen, so wie sie es häufig machte wenn sie angestrengt nachdachte und fragte sich dabei, wie es jemand geschafft hatte diese schweren Kisten ungesehen “abzugeben”. Schon fast am Rückweg in Richtung Detektei, stolperte Vivi über eine Caritas-Mitarbeiterin die gerade aus der Garderobe kam. Eine der Frauen, die drei Mal wöchentlich morgens immer ganz Früh kam und Mittags wieder am Heimweg war.

Die junge Frau, war Studentin und ehrenamtliche Helferin. Sie stellte sich als Nadine vor und erzählte aufgeregt von einer ungewöhnlichen Beobachtung am Morgen der Lebkuchenspende. Sie hatte einen grün-weißen VW-Bus, eines dieser Surfer-Camping-Modelle, gesehen als eine vollends dunkel gekleidete Person, offensichtlich ohne jede Anstrengend die Kisten mit Leichtigkeit abgeladen hatte. Diese stieg auf der Beifahrerseite ein und schon brauste der Bus von dannen.

Dies war der erste brauchbare Hinweis für Vivi! Anscheinend mussten es also zwei Täter gewesen sein. Da es aber an diesem Morgen ein heftiges Schneegestöber gab, hatte Nadine sonst nicht viel mehr erkennen können. “Wenn ich ehrlich bin, ich war einfach zu abgelenkt von dem süßen Katzenvideo, dass mir meine Freundin gerade per Whatsapp geschickt hatte.” hallten die Worte von Nadine in Vivis Kopf nach. “Immer diese Kids mit ihren Smartphones, solche Smobies!” ärgerte sich Vivi entnervt. Valentin würde sie erst ganz spät ein Handy schenken hatte sie soeben beschlossen.

Gute Ermittlungsarbeit

Vivi starrte konzentriert Löcher in die Decke. Sie hatte nun einiges in kürzester Zeit herausgefunden. Es gab also zwei Täter oder Täterinnen. Mit einem ungewöhnlichen Auto bewegten sich diese durch die Stadt. Das war sehr gut, denn so viele VW Busse in dieser Farbkombination dürfte es nicht geben, vermutete Vivi. Vorausgesetzt, dass die Änderungen am Bus wo eingetragen waren, standen die Chancen gut den Wagen bald ausfindig zu machen. Vivi rechnete aber nicht damit. Das wäre viel zu einfach und die Täterinnen dürften schlau sein. Hatten sie es doch unbemerkt und ohne Einbruchsspuren geschafft, die Kiloberge an Lebkuchen zu klauen. Was aber war das eigentliche Motiv?

Vivi spürte, dass sie diesem immer näher kam. Ein Muster hatte sie bereits entdeckt. Nämlich die MUKI-Einrichtungen! Nur an diese gingen die Lebkuchen. Die Täter oder Täterinnen hatte offenbar eine soziale Ader. Das war sicher. Sie fühlte, dass sie bald einen entscheidenden Punkt erreichen würde, an dem sich das Geheimnis lüften könnte. Das verrieten ihr ihre Spürnase, für die sie in der Berufsgruppe der Detektive nur allzu bekannt war.


Nächste Woche geht es mit dem dritten Teil meines Adventskrimis weiter. Bis dahin wünsche ich euch einen besinnlichen zweiten Adventssonntag!

Alles Liebe,

eure Vicky

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