Endlich ist die Vorweihnachtszeit angebrochen! Die Tage werden immer kürzer und kälter. Brrrr. Und man wünscht sich einfach nur einen heißen Tee, Glühwein oder schokoladigen Kakao (am Besten alle drei Dinge auf einmal) mit dem man sich unter die warme Decke in die Couch eingraben kann und getrost das neue Lieblingsbuch (bei mir aktuell hoch im Kurs die Buchreihe “Der Totengräbersohn” von Sam Feuerbach – absolut empfehlenswert weil lustig und spannend zugleich! – unbezahlte Werbung) begierig lesen kann.

Das bringt mich auch schon zum nächsten Gedanken, der mir beim Einschlummern meines Buben gekommen ist. Ich möchte dieses Jahr auf meinem Blog etwas Schönes im Advent für euch und mich gestalten. Etwas worauf man sich jede Woche freuen kann. Stichwort “Adventskrimi”.

Ja genau. Richtig gelesen. Einen Adventskrimi. Ich liebe Krimis und schreiben tue ich sowieso gerne. Also nutze ich meinen Blog für dieses spannende Experiment. Und mit dem ersten Teil starten wir gleich heute. Seid ihr gespannt? Ich schon, denn das ist eine große Premiere für mich.

Adventskrimi “Der Fall der gestohlenen Lebkuchen – Teil Oans”

Überall um sie herum bimmelte es in den verschiedensten Tonarten und die Lichter leuchteten bunt und atemberaubend um die Wette. Von irgendwo weiter entfernt wehte ein Teil des Liedes “Last Christmas” zu ihr hinüber. Und es duftete köstlich nach gebrannten Mandeln, süßen Beeren und klebrigen Zuckerguss. Weiter hinten am Platz roch es wiederum nach heißem Fett. Die noch vor Stunden tiefgekühlten Langos brutzelten nun in der Fritteuse goldbraun.

Vivi ging mit einer kompakten Trage vor dem Bauch den zugematschten Weg entlang, der gesäumt war von einigen Bäumen die einen guten Sichtschutz boten. Sie stieg nun auf eine Erhöhung aus Holzpaletten. Eine Art Steg um gut zu den diversesten Punschständen gelangen zu können. Vor ihr schlummerte ihr Sohn Valentin seeligst und verzog den Mund zu einem Lächeln. “Hach! Wie ich doch Adventsmärkte liebe! “.

Die Tücken der Wiener Adventsmärkte

Prompt stieg sie in eine klebrige Masse. Irgendein ein Volltrottel hatte seinen Punsch samt anderen Mageninhalt hier ausgeleert. “Wäh!”entfuhr es Vivi! “Wie eklig! So ein schei…”. Sie zwang sich das letzte Wort in Gedanken fertig zu denken. Sie hatte sich fest vorgenommen vor ihrem kleinem Lausbub nicht zu fluchen. Und das fiel ihr verdammt nochmal schwer. Wo sie doch nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen war und meist das sagte was sie sich dachte.

Ihr Mann Daniel nannte sie liebevoll auch “Rohrspatz”, da sie oft inbrünstig in eine Schimpftirade verfiel. Besonders im Straßenverkehr, im Supermarkt oder auch beim Spaziergang durch den Park. Ach was! Es lag ihr einfach im Blut. Eine typische Wienerin halt. Wenn ihr etwas nicht passte, dann sagte sie es offen heraus. Das mochten viele an ihr. Aber auch viele nicht. “So eine Sauerei! Gleich daneben ist ein riesiger Busch! Warum hat derjenige sich nicht dort erleichtern können?” fragte sich Vivi entnervt. Sie zog den Fuß aus der ekligen Pfütze und wischte ihre Sohle an einem winzigen Schneeberg, der tunlichst auf die Seite geschaufelt worden war, ab.

Vivi blickte sich um. Sie war nicht unbemerkt geblieben. Einige Blicke streiften sie. Niemand schien sich weiter mit ihr als nötig befassen zu wollen. Die angeheiterten Menschen um sie herum schauten schnell wieder, dass sie sich mit sich selbst beschäftigen konnten. “Typisch Großstadt. Die Leute kümmern sich nur um sich selbst. Egoisten!”. Plötzlich bemerkte Vivi hinter sich eine ältere Dame in einer blauen Schürze, die trotz ihrer weißen Haare, dem dürr wirkenden Körper und der faltigen Haut an den Händen doch recht agil wirkte.

Offenkundig dürfte die Dame am Adventsmarkt wohl angestellt sein. Denn diese bückte sich und entfernte die Magenreste mit einer Vorrichtung ohne Murren. Vivi tat die alte Frau sofort leid. Und sie hatte auch noch diese Brühe verteilt. “Entschuldigen Sie bitte!”. hörte sie sich leise sagen. “Waren Sie das etwa? Kann ich mia gar net vorstelln! Des wor sicher so ein bleder Angsoffener. Ist scho guat. Dafür bin ich ja da! Und jetzt schauns, dass Sie sich mit ihrem Buam gut amüsieren!” gab die Frau mit einem Zwinkern von sich, in einer Lässigkeit die Vivi beeindruckte. Vielleicht sollte sie sich doch nicht so schnell aufregen und das Leben etwas gelassener nehmen.

Vivi schlenderte mit einem schlechten Gewissen weiter. Sie wollte noch Daniel, der nach der Arbeit auch kommen wollte, bei dem Lebkuchenstand treffen. Die guten Gerüche, die ihr nun um die Nase wehten, ließen sie schnell an etwas anderes als den Vorfall eben denken. Weihnachten stand vor der Tür und sie hatte noch kein einziges Geschenk besorgen können. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt momentan Valentins Wohl. Wickeln, Einschlummern, Stillen, Spazierengehen und mit anderen Müttern austauschen (oh das war überlebensnotwendig!). Seit ihr Sohn in ihrem Leben war, hatte sie keine Fälle mehr angenommen. Zu wenig Zeit war ihr einfach dafür geblieben. Mit ihrem Mann hatte sie vereinbart einen Karenzurlaub einzuschieben.

Valentin war nun wichtiger als den Inspektoren der Wiener Polizei Rückendeckung zu geben. Und sie hatte viel Verständnis der Polizisten und Polizistinnen, wovon einige schon zu ihren engen Vertrauten gehörten, erhalten. Ihre Detektei war daher bis auf weiteres geschlossen. Eine Vertretung konnte sie sich von ihrem Ersparten einfach nicht leisten. Und außerdem war sie doch auch ein bisschen stolz und eitel. Jemand anderes konnte unmöglich so schnell eingelernt werden und dann auch gleichzeitig noch so gut sein wie sie selbst. Hatte sie doch einfach schon jahrelange Erfahrung als Privatdetektivin.

Der Lebkuchenstand

Endlich am Lebkuchenstand angekommen, schon voller Vorfreude auf die leckere Versuchung, fiel Vivi ein bekanntes Gesicht in den Massen der Besucherinnen auf. Direkt neben dem Lebkuchenstand, tief in ein Gespräch mit einem Mann, der sehr aufgelöst wirkte stand Alva, eine Frau in blauer Uniform mit ihrem Kollegen Dietrich, ebenfalls in blauer Uniform gekleidet und sprach ruhig mit diesem. Alva dürfte dem Blick auf ihr gespürt haben, denn sie neigte ihren Kopf zur Seite und entdecke Vivi sogleich: “Vivi! Servus! So ein Zufall! Gut schaust aus! Wie gehts dir denn?! Und den Kleinen hast auch dabei! Mei siass!” wurde Vivi herzlichst von ihr in die Arme geschlossen. Auch wenn dies etwas umständlich vonstatten ging, da Valentin noch immer in der Trage vor ihr am Bauch geschnallt schlief.

“Gut gehts uns! Aber sag, was ist denn hier los?” fragte Vivi interessiert ihre gute Freundin Alva, Bezirksinspektorin bei der Wiener Polizei. Alva zuckte die Schultern und schaute unumwunden Vivi an. “Tja was soll ich sagen. Deine Hilfe könnten wir hier gut gebrauchen. Der Fall ist doch sehr ungewöhnlich und unsere Kapazitäten sind momentan wegen der Weihnachtssaison ziemlich eingeschränkt. Stell dir vor: sämtliche Lebkuchen im Standl wurden gestohlen! Ich frag mich noch immer wieder das passieren konnte. Es gibt keine sichtbaren Einbruchsspuren. Einfach von gestern auf heute sind mehrere Kiloberge Lebkuchen verschwunden. Der Standbesitzer hat schon seine zwei Angestellten befragt. Die tun unschuldig und schwören, dass sie damit nichts zu tun haben.”

Die unerwartete Überraschung

Vivi stand da und traute ihren Ohren nicht. Erst jetzt bemerkte sie, dass der Lebkuchenstand vollkommen ausgeräumt war. Wie konnte sie das bloß übersehen? Sie war wohl ziemlich abgelenkt gewesen von den ganzen Lichtern und Gerüchen. “Wann sagst du ist das passiert? Von gestern auf heute? Es ist früher Nachmittag. Warum seid ihr denn erst jetzt da?” fragte Vivi verwundert. Alva seufzte tief. “Der Besitzer hat uns zu Mittag verständigt. Die Standln sperren spät Vormittags auf. Da der Einbruch nicht offensichtlich war, hat er zunächst einen blöden Streich seiner Angestellten vermutet bzw. es für ein Versehen gehalten. Und weil wir wie gesagt unterbesetzt sind, konnten wir erst vor einer halben Stunde den Fall aufnehmen. Wärst du bloß wieder verfügbar. Dann wäre das schnell geklärt.”

Alvas Lob war Balsam für Vivis Seele. “Ich würde euch gerne helfen. Doch ich müsste mehr wissen. Und der Kleine hier müsste zur Oma für ein paar Stunden.” In die Unterhaltung platzte Dietrich, Alvas Kollege. “Na hallo! Du auch da? Wie gehts dir Vivi? Du Alva, wir haben eben über den Herrn Moser eine interessante Info reinbekommen. Du wirst nicht glauben wo die Lebkuchen abgeblieben sind. Das ist der Wahnsinn!” Vivi spitzte ihre Ohren. “Na der Fall hat sich ja schnell aufgeklärt.” meinte sie keck. Dietrich lächelte verschmitzt. “Wenn es nur so einfach wäre.” Alva rollte entnervt mit den Augen “Herst Dietrich! Jetzt mach es net so spannend!”

Dietrich erklärte schnell was der Besitzer Herr Moser soeben per Telefon erfahren hatte. Das war wirklich sehr ungewöhnlich. Ohne Übertreibung. Damit hatten die drei nicht gerechnet. Und der Herr Moser wohl am Wenigsten. Seine Lebkuchen waren anscheinend auf ganz Wien von einer Art Robin Hood verteilt worden. Einige soziale Einrichtungen hatten nämlich heute Morgen vor ihren Türen Schachtelweise Lebkuchen der Manufaktur Moser deponiert gehabt. Jeden dieser “Lieferungen” war eine Botschaft beigelegt. Das Besondere daran war, dass in wunderschöner Handschrift in den Briefen mitgeteilt wurde, dass die Lebkuchen als ein Geschenk für all die Bedürftigen gedacht wäre.

Ein Weihnachtsgeschenk bereits im Advent. Nur dass Herr Moser nichts dergleichen mit dem Akt der Güte und Schenkerei zu tun hatte. Gemeldet hatten sich die Leiterinnen der Einrichtungen, da so große Spenden zur Weihnachtszeit zwar nicht ungewöhnlich waren. Jedoch waren diese meist mit viel Pressearbeit verbunden. Aber einfach so still und heimlich den Lebkuchen abgeben, das erschien zu ungewöhnlich. Man wollte direkt Herrn Moser danken. So erfuhren nun auch die Wiener Polizei und Vivi von dem seltsamen und vor allem ungewollten Spendenakt.

Robin Hood mit Lebkuchenflair

“Und was mach’ ma jetzt?” fragt Dietrich noch immer erstaunt über diesen kuriosen Fall. Nicht lange und die Boulevardpresse würde sich über diese Geschichte hermachen. Grundsätzlich erschien Vivi das Ganze sehr bizarr. Wer spielte hier wohl moderner Robin Hood? Und warum ausgerechnet Lebkuchen vom Wiener Christkindlmarkt? Der Herr Moser tat ihr zwar leid, doch sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass dies ein sehr riesiger Verlust gewesen sein musste. Die Menge an Lebkuchen hätte er vermutlich an einem Wochenende verkauft. So wurde er quasi zu einer Spende indirekt gezwungen. Denn wie würde es nun aussehen, wenn er den Lebkuchen zurück fordern würde? Richtig. “Ziemlich gemein wäre das wohl.” dachte Vivi sich still.

“Moser ist zwar stinkig, aber er hat nach kurzem Abwägen der Konsequenzen entschieden, dass er die Lebkuchen als Spenden absetzen wird.” fügte Dietrich hinzu. Alva prustete leicht “Na wenigstens ist der Lebkuchen für einen guten Zweck. Trotzdem! Wir müssen herausfinden wer der Typ ist, der sich da einfach selbst bevollmächtigt hat. Vivi kannst du uns hier helfen?”. Vivi kräuselte leicht die Stirn. Eine Augenbraue hüpfte auf und ab. Sie dachte angestrengt nach. Der Fall schien zu interessant. Wie sollte sie hier wohl nein sagen können?”Gut ich komme gleich mit euch.” Valentin öffnete sanft seine Augen und schaute groß in die funkelnden Lichter über ihnen.

 

*sämtliche Namen und Charaktere wurden erfunden und die Geschichte ist das was es ist – eine Geschichte 🙂


Nächsten Adventsonntag geht es mit der Geschichte weiter. Alles Liebe & einen schönen ersten Advent!

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